Stichpunkte, undefinierbare

Ich krieg gerade irgendwie mein Leben nicht so super toll auf die Reihe. In meiner Wohnung sieht es aus, als hätte jemand eingebrochen, ich muss packen, weil ich über’s Wochenende wegfahre. Ich konzentriere mich eigentlich nur voll und ganz auf das Wochenende in der neuen Heimat, während in der alten, aktuellen Heimat alles liegen bleibt. Die Hitze macht mir auch zu schaffen und ich kann kaum einen klaren Gedanken in der Arbeit fassen.Ich bräuchte einfach mal 1 Woche Ruhe um mein Leben zu sortieren. Aber selbst an einem Wochenende liege ich nur faul auf der Couch und mache nichts. Es gibt so viel zu tun, dass es mich erschlägt, deswegen denkt sich Lolas Köpfchen „Lieber gar nichts tun, als zu viel“. Schlaues Köpfchen. Nur leider hilft mir das im Moment nicht weiter. Antriebslosigkeit und Müdigkeit kommen noch hinzu.

Nächstes Wochenende wird endlich einmal mein Leben sortiert. Hilft ja nichts.

Heute Nacht kann ich hoffentlich schlafen. Das Dilemma dieser heißen Nächte: Mache ich das Fenster auf, ist es zu laut, da ich an einer viel befahrenen Straße wohne. Ich kann wegen dem Lärm nicht schlafen. Lasse ich das Fenster zu, ist es zu heiß. Ich kann wegen der Hitze nicht schlafen. Wenig Schlaf ist bei mir gleichbedeutend mit hochsensibel, angepisst, gestresst. So sieht meine Gefühlslage aus.

Mit Maria Salvador habe ich mir oft nicht wirklich viel zu sagen. Ich habe immer mehr Geheimnisse vor ihr. Auch nicht das beste Zeichen für unsere Freundschaft. Aber ich habe keine Lust, mir all meine Ideen und Gedanken ausreden zu lassen. Deswegen mache ich mein Ding und sage es ihr danach.

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Stichpunkte, undefinierbare

There’s always a silverlining

Diesen Satz pflegte meine gute Freundin Nile immer zu sagen. Es gibt kein „nur schlecht“, denn all das, über das wir uns gerade ärgern, hat immer auch ein silverlining – einen Vorteil sozusagen. Aber stimmt das wirklich?

Ich telefonierte heute mit meinem besten Freund Amore und irgendwann sagte er: „Aber schau, Lola, auch dieses Jahr im wilden Süden hat dir was gebracht!“ Erst wusste ich gar nicht was ich sagen sollte, denn ich konnte partout nicht von mir behaupten, dass dieses Jahr mich nur ein μ weitergebracht hat. „Bevor du was sagen kannst, erkläre ich dir warum.“ unterbrach Amore meine Gedanken. „Dieses Jahr hat dich reifen lassen und durch all die Rückschläge, der unendlichen Langeweile, die du im wilden Süden verspürt hast und deinem schlimmsten Moment* hast du gemerkt, was DU willst. Endlich nimmst du dir, was dir zu steht, endlich bist du die Abenteurerin, die du immer schon warst und endlich sch**ßt (entschuldigt die Wortwahl, aber ich zitiere hier nur 😉 ) du auf die Meinung der anderen. Du hast endlich verstanden, dass du deine Wünsche und Ideen für dich auslebst und erst hinterher alle informierst, die dir sonst schon frühzeitig Steine in den Weg geworfen haben. Wie oft hast du damals desillusioniert bei mir angerufen, weil du eine tolle Idee hattest, sie aber zu früh an die falschen Leute weitergegeben hast? Der wilde Süden – und ich möchte hier nicht sagen, dass es eine tolle Zeit für dich war – aber er hat dich reifen lassen und gerade die letzten Monate haben dich einen ganz entscheidenden Schritt, ach was sage ich, einen ganzen Fußmarsch, nach vorne gebracht. Ich bin stolz auf dich!“

Hui, ich hätte ja mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass Leute auf mich stolz sind, weil ich endlich den Mut habe, das zu tun, was mir gut tut. Aber, wenn ich eine Sache in den letzten Monaten gelernt habe: Mach‘ deine Pläne mit dir selber aus, erzähle niemanden davon und dann, wenn du ganz sicher bist, dann erzähle 1-2% der Menschen in deiner Umgebung davon, die immer an dich glauben und die dir keine Angst machen, sondern dich bestärken (und im Notfall auffangen). Man muss nicht der ganzen Welt davon erzählen und besonders nicht den Leuten, die einem ständig alles ausreden wollen. Jeder ist für sein eigenes „Drehbuch“ im Leben zuständig. Nicht mehr und nicht weniger. Und dann – ganz wichtig: Vertrauen haben und auf seine innere Stimme hören. Wenn die Stimme sagt, man soll sich nirgends bewerben und warten, was „angespült“ wird, dann wartet man ab. Keine panischen und vorschnellen Reaktionen und man kommt genau dahin, wo man hin sollte. Das Leben ist ein Ozean und in einer Nussschale auf den Weltmeeren bei Sturm kann man paddeln und sich abstrampeln ohne Ende, man wird doch immer wieder dort hingeleitet, wo man hin soll (und evtl. nicht hinwollte) und hat dann auch noch eine Menge Kraft verloren, weil man sich mit Händen und Füßen dagegen gewährt hat. Einfach treiben lassen und gucken, wo der Ozean einen hinführt, ist genau das, was glücklich macht.

Ach so, ich bin noch eine Erklärung schuldig: der schlimmste Moment war zwei Nächte nachdem Mr. Monamour von heut auf gleich abgetaucht ist. Ich lag in meinem Bett und fing an zu heulen, weil ich so unglaublich allein war, weil ich mir Vorwürfe machte, weil ich auch geliebt werden wollte, weil ich… ich holte mir ein Taschentuch, schnäuzte, knüllte es zusammen, legte es auf meinen Brustbereich, musste nochmal schnäuzen, streifte meine Brust etwas ungelenk und plötzlich überkam mich Panik: War das ein Knoten? Das ist ein Knoten? Da stimmt was nicht! Da stimmt was ganz und gar nicht! Das gehört so nicht! Panik nahm das Ruder in die Hand und ich schaltete die Vernunft aus: Oh Gott, ich habe einen Knoten in der Brust, bin seit Urzeiten Single, allein, in diesem riesen Bett, in dieser Stadt, in die ich nicht mehr zurück wollte. Ich will  nicht mehr hier sein. Das ist nicht das Leben, das ich führen will. Ich muss als erstes kündigen, meine Sachen packen und in die andere Stadt ziehen. Um Gottes Willen, ich will nicht in der Nähe meiner Familie sein, ich will weg. Ich will dahin, wo all meine anderen Freunde und mein bester Freund Amore sind. Ich fühle mich hier nicht wohl. Ich muss sofort weg hier!!! Ich heulte und heulte und konnte nicht mehr aufhören. Inzwischen war es 02:30 Uhr – keine gute Zeit um noch jemanden anzurufen. Maria Salvador schläft mit 100%-iger Sicherheit und Amore kam gestern erst aus Chicago. Er wird auch schlafen. Ich versuchte es trotzdem: Amore? Bist du da? schrieb ich.

2 Minuten später leuchtete mein Handydisplay: Ja, was ist los?

Er war wach! Ich schilderte ihm die Geschichte und er beruhigte mich. In diesem Moment wusste ich, dass sich für mich der wilde Süden erledigt hat. Ich will hier nicht bleiben und will auch nicht mehr zurückkehren. Ich will dieses Kapitel schließen. Mein Verstand ist hier, aber mein Herz nicht. Und so begann der Anfang einer wunderbaren Reise ins Ungewisse….

(P.S.: Ich war beim Arzt – alles gut. Ich bin gesund. Es war nur eine etwas heftigere Form vom PMS, der dementsprechend die Lymphknoten anschwellen ließ)

There’s always a silverlining

Bitte nicht aufhalten! Danke!

Gestern traf ich meine wunderbare Lieblingsfreundin Maria Salvador. Wir plauderten ein bisschen, bis ich anfing von meinem neuen Leben zu schwärmen. Ich erzählte ihr, wie toll das Wochenende war und wie toll die Menschen dort sind und wie sehr ich mich freue, hier alles abzubrechen und alles aufzugeben. Sie wurde immer stiller während meine Augen immer mehr leuchteten. Irgendwann verstummte sie ganz und ich führte einen Monolog über meine Zukunft. Sie schaltete sich erst wieder ins Gespräch ein als ich das Thema wechselte.

Ich weiß, dass sie es nicht böse meint und ich weiß, dass es ihr nicht leicht fällt, dass ich die Stadt verlasse und ich weiß besonders, dass sie möchte, dass ich hier bleibe, aber ich muss gehen. Das sagt mein Kompass. Nein, wartet, er sagt es nicht, er schreit es förmlich raus. „Du kannst mich nicht verlassen… weil du mich dann vergisst. Und überhaupt: du erzählst mir dann deine Geheimnisse nicht mehr. Und du kommst dann gar nicht mehr zurück in den wilden Süden und ich will nicht ohne dich hier sein und…“

Ach, Maria Salvador! Ich werde dich nicht vergessen, ich werde dich vermissen. Ich werde dich auch nicht aufgeben, ich werde nur in einer anderen Stadt leben. Wir lernten uns kenne, da waren wir beide Single. Ich begleitete dich bis du deinen Partner gefunden hast. Er ist ganz wunderbar und ihr passt toll zusammen. Das war meine Aufgabe im wilden Süden und deswegen kam ich wohl zurück. (im Nachhinein, denn alles hat einen Sinn) Jetzt bist du in den sicheren Hafen einer Partnerschaft gefahren, planst mit anderen Freundinnen Junggesellinnenabschiede und Hochzeiten und bist mit deinem Mario Salvador zusammen gezogen. Ich gönne dir dieses Glück von Herzen!! Ich freue mich jede Sekunde für dich, doch bitte lass‘ mich ziehen und versuche mich nicht aufzuhalten. Vor ein paar Wochen redeten wir über eine Idee, ein Geschäft zu öffnen, doch Erfahrung haben wir beide nicht, auch kein fundiertes Wissen, geschweige denn, den finanziellen Background, doch trotzdem schickst du mir pro Woche 3 gewerbliche Objekte, die man im wilden Süden mieten kann. Ich weiß, es ist dein Traum selbstständig zu sein und möglichst schnell etwas auf die Beine zu stellen, aber bitte, bitte, lass mich ziehen. Ich brauche keine Fußfesseln und ich werde mich momentan nicht anketten lassen. Unsere Freundschaft endet nicht, nur weil ich die Stadt verlasse – sei diesbezüglich ganz unbesorgt! Ich werde dich weiterhin lieb haben! Wünsch mir einfach Glück und sei für mich da. Mehr will ich gar nicht und mehr brauche ich auch nicht.

Bitte nicht aufhalten! Danke!

Like a ghost he’ll be gone

Say I’m the one you want / If you don’t, you’ll be alone / And like a ghost I’ll be gone…

Wem diese Liedtext-Zeile nun bekannt vorkommt, der kennt wohl auch das Lied „Single Ladies“ von Beyonce. Hundertmal im Rausch mitgesungen, mitgegrölt, mitgefiebert und mitgetanzt mit den Mädels, bis man heiser oder im besten Fall nur verschwitzt war. Und in diesen Momenten hat man das Single-sein gefeiert als wäre es der WM-Sieg 2014 in Brasilien. Doch es gibt auch andere Momente: Momente, in denen er plötzlich „like a ghost he’ll be gone“ ist. Von heute auf morgen ist er weg und man ist gefangen im Gedankenkarussell: „Warum meldet er sich plötzlich nicht mehr? Was ist denn los? Vielleicht hat er nur viel zu tun? Oder er hat sein Handy vergessen? Oder er ist in Nepal und es besteht keine Möglichkeit Kontakt zu mir aufzunehmen. Oder….“ Nein, nichts oder! Er ist weg und zwar spurlos. Von heute auf morgen ist er verschwunden – einfach so. Das ist mir unlängst mit ihm hier passiert und ich litt – nicht nur tage- sondern wochenlang. Warum verschwindet jemand plötzlich mit dem es schien als würde man auf Wolke 7 schweben?

Heute stieß ich plötzlich auf einen Artikel, in dem das Phänomen, das Ghosting genannt wird, beschrieben wurde. Ghosting-Opfer sind meist Frauen zwischen 25 und 30, die sich langsam aber sicher mit dem Thema Nestbau beschäftigen, die Täter meist Männer im selben Alter, die Panik bekommen, merken sie, dass man mehr als „einmal knutschen und eine Nacht voll Leidenschaft“ will.

Am Anfang scheint es als wäre man endlich am Ziel: Man ist verliebt, man ist glücklich, die Welt besteht aus Wiesen voller Gänseblümchen, Schmetterlinge fliegen wie wild durch den Bauch und plötzlich-  ist es vorbei. Er schreibt keine Nachricht mehr, kein einziger Satz kommt mehr von ihm und er ist weg – wie ein Geist hat er sich in Luft aufgelöst. Kann er mir denn nicht wie jeder anständige Mensch sagen -notfalls auch schreiben- dass es nicht das ist, was er sich vorstellt? fragte ich mich (und fragten sich sicher auch Tausend anderer Frauen). Ghosting zeugt meist von einer narzisstischen Persönlichkeit stand in diesem Artikel, was nun bedeutet, dass er keinen Bock auf Stress hat, wenn er ihr sagt, dass er nicht die gleichen Gefühle hat wie sie und so verschwindet er einfach von einer Sekunde auf die nächste, obgleich er gerade gefragt hat, wann man sich denn mal wieder sieht. Er ist nicht nur eine narzisstische Persönlichkeit, nein, auch eine Person, die keinerlei Wertschätzung aufbringen kann. Generation Wisch-und-weg stand in diesem Artikel und so denkt er, wie er euch damals bei Tinder einfach in die richtige Richtung gewischt hat, ist es nun immer noch so, dass es keinerlei Bedeutung hat und er somit keinerlei Anstand besitzen muss: wie ein nerviges Pop-up-Fenster klickt er auf X und ihr seid weg. Ihn verletzt das wenig, euch umso mehr. Was nun also tun?

First of all: Ihr seid nicht Schuld und er war nicht der Richtige. Wer hat schon Lust mit einem Typen zusammen zu sein, der nicht mal den Anstand, geschweige denn den Respekt besitzt, euch zu sagen, dass ihr nicht seine große Liebe seid, obwohl er es euch vorgespielt hat? Hätte er vor der Hochzeit in 5 Jahren auch einfach auf das imaginäre X gedrückt und ihr wärt traurig und mit Torten verschmiertem Mund an der langen Tafel mit all euren Hochzeitsgästen gesessen, nur weil er keinen Anstand hat?

Also freut euch, dass ihr mit so einem Narzissten nichts mehr zu tun haben müsst. Es gibt unzählige Männer, die nicht auf das X drücken, wenn sie nur ein einziges Date mit euch haben können. Sie machen nicht nur eine Hardcopy von eurem Pop-Up-Fenster und stellen es als Desktop und Sperrbildschirm ein, nein, sie klicken auch nichts anderes mehr an – aus Angst euch zu verlieren oder eine Minute nicht zu sehen. Folglich: Ghosting-Typen kann man getrost in den Papierkorb schieben und auf endgültig löschen klicken!

Like a ghost he’ll be gone

Ich warte hier nur

Am Wochenende war ich in der neuen Stadt, in meinem neuen Leben. Was soll ich sagen? Ich hätte es ohne Ende bereut, hätte ich nicht gekündigt. Es fühlte sich endlich wie heimkommen an. Wie eine riesengroße Familie. All die Menschen, die viel freundlicher und offener sind als in meiner Stadt; dazu die sommerlich-heißen Temperaturen, das Flanieren an der Promenade, die Lebenslust, die in jeder Gasse spürbar war, die guten Freunde, die ich wieder in meine Armen schließen konnte, die tollen Begegnungen, die ich hatte,… all das zeigte mir mehr als deutlich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Mit einem guten Freund unterhielt ich mich über sein Studium und bemerkte, dass es genau das war, was ich machen will. Er erklärte mir, wie das mit dem NC, dem Wartesemester und all den anderen Sachen funktioniert und bot mir an, mich auf den Campus mitzunehmen. Die Herzlichkeit, die Vorfreude und die Liebenswürdigkeit dieses Freundes beeindrucken mich immer wieder. Die Durchschnittsnote meines Abiturs ist nicht wirklich gut, aber so war das bei ihm auch. „Alles was du tun musst, ist warten.“ sagte er zu mir. „Ich hatte 5 Wartesemster und habe soviel erlebt: In der Heimat meines Vaters, Spanien, lebte ich für ein Jahr. Ein weiteres Jahr war ich bei einer Kreuzfahrtgesellschaft und arbeitete dort, dann reiste ich ein wenig um die Welt mit dem Geld, das ich bei der Kreuzfahrtgesellschaft verdient habe und irgendwann hat mich die Uni akzeptiert. Stress dich nicht! Auch wenn ich mich wiederhole: Alles was du tun musst ist warten und bis dahin: Genieße dein Leben! Mach‘ all die Dinge, die du immer schon mal machen wolltest!“

Er gab mir noch ein paar Tipps und Ideen auf die Hand, wie ich am besten „warte“.  Und dann musste ich wieder zurück. Als ich im Flugzeug saß, brach mir das Herz. Ich hätte heulen können. Daheim angekommen war alles so ganz anders. Dennoch: Solange ich hier bin, nutze ich die letzten Monate. Aber ich freue mich auf meine Wartezeit. 🙂

Ich warte hier nur

Irgendetwas ist anders

„Du hast abgenommen!“ begrüßt mich Kollegin A am Dienstag. „Hm…weiß nicht. Ich habe die Waage seit 4 Wochen weggeräumt, weil ich mir nicht jeden einzelnen Tag durch Zahlen versauen lassen will.“ antworte ich. Innerlich grinste ich natürlich wie ein Honigkuchenpferd… Pardon… wie ein Agavendicksaftkuchenpferd. Honig isst die weltmännische Veganerin (ich!) ja nicht mehr. Kollegin B, die erst aus dem Urlaub kam, bemerkt: „Irgendetwas ist komisch an dir? Du bist so ruhig und ausgeglichen. Du bist komplett in deiner Mitte. Woran liegt das?“ Ich antworte ruhig (und vollkommen in meiner Mitte), dass ich es nicht weiß. Ich habe nichts verändert. Zumindest behaupte ich das, denn ich habe keine Lust über meine Ernährungsform zu diskutieren, d.h. fast alle Mitmenschen denken, dass ich weiterhin Fleisch und Milch usw. esse. Damit ist das Thema erst einmal abgehandelt, bis Kollegin B. am nächsten Tag wieder ansetzt: „Du bist so gut aufgelegt, aber gleichzeitig so entspannt und ruhig. Woran liegt das denn? Komm, gib‘ es zu. Es gibt einen Mann in deinem Leben!“ Ich grinse und verneine die Frage. Sie will sich nicht zufrieden geben. Irgendwann sage ich: „Vielleicht liegt es einfach an der Kündigung, die ich vor 1 Woche aussprach.“ Ah, das beschwichtigt sie. Die Kündigung ist also die Lösung. Mit dieser Antwort ist sie glücklich..

Die Kündigung ist eine Lösung, aber der Hauptgrund ist, dass ich ausgeglichener und fokussierter bin, seit ich mich so ernähre, wie ich mich ernähre. Mir geht es gut und das sieht man mir anscheinend an. Mehr will ich doch gar nicht! 🙂

Morgen ist erst einmal der Tag, an dem ich Amore (meinen besten Freund) wieder sehe. Ich freue mich riesig auf unser Zusammentreffen und werde das Wochenende bei ihm – in meiner neuen Stadt – verbringen. Amore ist auch einer der Gründe, warum es genau diese Stadt wurde. Ich bin gespannt und freue mich auf’s Wochenende

Irgendetwas ist anders

Wie ich vegan wurde

Ich und vegan? Vor ein paar Monaten hätte ich noch jeden einzelnen, der das behauptet hätte, ausgelacht, nur um ihm dann klar und deutlich zu sagen, dass ich weder auf Milchprodukte, noch auf den gelegentlichen Südtiroler Speck verzichte. Tja, bis ich irgendwann umdachte:

Meine Schwester ist vegan und ich belächelte sie. Ich traf sie vor 1 Jahr (natürlich in der Zwischenzeit auch) und sie konnte in dem Café in dem wir saßen vom gesamten Speiseangebot nichts essen/trinken, außer schwarzen Kaffee. Das war’s. „Ist das nicht hart?“ fragte ich und sie erwiderte, dass das eigentlich gar kein Problem ist. Sie müsse ab und zu kürzer treten, aber es geht ihr besser und sie ist fitter. „Aha“ sagte ich und wir wechselten schnell das Thema. Verzicht macht Spaß? Seit wann?

Ein halbes Jahr später traf ich sie wieder und wir verbrachten einen Urlaub zusammen. Ich informierte mich genau bei ihr und kam zu dem Schluss: Ich kann nicht über etwas urteilen, was ich nicht selbst ausprobiert habe. Also begann ich vegan zu werden und war erstmal ein Puddingveganer: Ich aß meist Semmeln, Brot, Margarine, etc., etc. Gemüse und Obst kamen mir selten in den Einkaufskorb. Dass ich davon natürlich nur zunahm, versteht sich von selbst. Ich stolperte über Attila Hildmanns Vegan for Fit und hielt Attila erstmal für ziemlich doof. „Zzz… arroganter Lackaffe“ dachte ich und plapperte das nach, was alle Vegan-Hasser so von sich geben. „Lola, kannst du über jemanden urteilen, wenn du ihn nicht kennst? Kannst du über seine Bücher urteilen, wenn du sie nie befolgt hast?“ Somit stand der Entschluss fest: Nein, kann ich nicht. Ich werde es probieren.

So traute ich mich nun an das ein oder andere vegane Rezept ran, ernährte mich nach Attilas Prinzipien und mein nächtlicher Heißhunger verschwand. Die ersten Tage, ach, was sage ich, die erste Woche hatte ich starke Kopfschmerzen, da ich auf Kaffee, Zucker und Weißmehl verzichtete. Puh, das war hart! Aber ich entschied mich durchzuhalten. Was soll ich sagen: Es ging und geht mir besser denn je. Ich habe viele neue Ideen, ich habe mehr Energie und der Heißhunger, als auch das Mittagstief sind verschwunden. Ich arbeite nicht mehr gegen mich, sondern mit mir, lasse Gefühle, Ängste und Sorgen zu und bin offener und umgänglicher. Meine Aggressivität und meine Stimmungsschwankungen sind verschwunden. Ich fühle mich mehr in der Mitte und geerdeter. Ich weiß nicht wie viel ich momentan wiege, ob ich abgenommen oder zugenommen habe. Es geht mir nur noch um’s Gefühl und das ist gut. Des Weiteren habe ich keine Lust mich auf endlose vegane Diskussionen einzulassen, denn, wenn ich eine Sache in den zahlreichen Foren gelernt habe, dann: „Ernährung ist wie das eigene Sexualleben: Privatsache! Da hat sich niemand einzumischen!“ und so sehe ich es auch. Jeder in meinem Umfeld kann sich ernähren, wie er will. Das ist mir – ehrlich gesagt – vollkommen egal. Ich will niemanden bekehren, ich will niemanden ändern, ich will niemanden überreden. Genauso möchte ich auch behandelt werden. Ich ernähre mich vegan und ich werde mich nicht rechtfertigen. Wenn jemand der Meinung ist, dass es schlecht ist, dann nicke ich und denke mir meinen Teil. Wir haben Meinungsfreiheit in Deutschland, aber das heißt nicht, dass ich mir nonstop die Meinung von Leuten anhören muss, die nichts davon halten. Wenn jemand ansetzt, bewahre ich mir das Recht, ihm entweder zu sagen, dass ich nicht darüber diskutieren will oder wenn das nichts hilft, stehe ich auf und gehe. Denn, wie gesagt, Ernährung ist Privatsache.

Wie ich vegan wurde